Essay: Pandemische Zeit(ge)schichten

Beitrag im Pandemie-Projekt „Triakontameron“ (20. April 2020)

Corona-Times: pandemische Zeit(ge)schichten

Triakontameron

Neue Übersetzung

Rafael Gumucio: Transitkind.  Übersetzung aus dem chilenischen Spanisch von Benjamin Loy. edition 8 (2020).

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Das lateinamerikanische Exil im Paris der 70er Jahre: Mit seinen Eltern und seiner Großmutter vor der Militärdiktatur Augusto Pinochets geflüchtet, wächst der junge Chilene Rafael Gumucio zwischen den chaotischen Sitzungen sozialistischer Polit-Komitees und den verlorenen Träumen einer ganzen Generation auf. Während seine Eltern bald ihre eigenen (und getrennten) Wege finden, mit ihrem Schicksal umzugehen, sucht Rafael in Gesprächen mit der Statue Victor Hugos und dem lieben Gott nach Antworten auf die großen Fragen in einer Welt, in der das Leben stets ein Provisorium zu sein scheint.

Und als einige Jahre später die Namen der Familie auf den Listen der begnadigten Exilanten erscheinen, die nach Chile zurückkehren dürfen, macht das die Dinge auch nicht einfacher: Rafael kommt zurück nach Santiago in eine Stadt und eine Gesellschaft, die ihm fremd und vertraut zugleich sind und wo das Leben zwischen der Gewalt der Militärs und den Hoffnungen auf die Rückkehr zur Demokratie schwankt – und dann gilt es in all dem Chaos auch noch, erwachsen zu werden…

Rafael Gumucio (*1970), Anna-Seghers-Preisträger und einer der bekanntesten Autoren und Journalisten seiner Generation, hat mit seinem ursprünglich schon 1998 publizierten Roman Transitkind in Chile ein ganzes Genre autobiographischen Schreibens über die Zeit der Militärdiktatur (und ihr langsames Ende) begründet. Mit der rabiaten und zugleich zärtlichen Stimme eines Jugendlichen, die beständig zwischen Angst und Aufbruch, zwischen Resignation und Auflehnung pendelt, beschreibt Gumucio als einer der ersten facettenreich das Schicksal jener Generation der Nachgeborenen der gescheiterten lateinamerikanischen Revolutionen und bereitete damit den Weg für Autoren wie Alejandro Zambra oder Nona Fernández.

Ein Buch voller Verzweiflung und Humor über das Leben zwischen zwei Welten, das im Zeitalter der globalen Wanderbewegungen aktueller denn je ist.

Neuerscheinung

Gustavo Guerrero, Jorge Locane, Benjamin Loy, Gesine Müller (eds.): Literatura latinoamericana mundial. Dispositivos y disidencias. Berlin/Boston: De Gruyter 2020.
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Gustavo Guerrero, Jorge Locane, Benjamin Loy, Gesine Müller (eds.): Literatura latinoamericana mundial. Dispositivos y disidencias. Berlin/Boston: De Gruyter 2020.

Índice

¿Cómo ingresa la literatura en circulación internacional? ¿Qué factores regulan dicho proceso? ¿Qué transformaciones sufre cuando lo hace? ¿Qué sucede con la que nunca lo consigue o se lo propone? Con foco en la literatura que, de acuerdo con postulados teóricos diseñados en los años 60, es concebida como latinoamericana y con contribuciones de destacados investigadores de diferentes lugares de Europa, América Latina y EE.UU., el volumen Literatura latinoamericana mundial intenta ser un aporte crítico al actual debate sobre literatura mundial.

Tres bloques conceptuales, que también son tres de los principales núcleos en torno a los cuales gira la discusión, lo organizan: „gatekeepers„, con foco en los dispositivos, actores o instituciones que vehiculizan u obturan la circulación internacional de literatura; „traducción“, con reflexiones acerca de este mecanismo ineludible, pero siempre problemático, para que la literatura trascienda fronteras nacionales; y „literaturas locales“, concentrado en escrituras y proyectos que, al permanecer aferrados a contextos específicos, constituyen el lado negado de ciertos modelos hegemónicos de la teoría de la literatura mundial.